Chronik von Andritz
Der Bezirk Andritz stellt sich vor
Aus der Geschichte von Andritz. Von der slawischen Siedlung zum Industrieort
Andritz, der Name des nördlichsten Grazer Stadtbezirkes, geht zurück auf den slawischen Namen "jendrica", was soviel wie rasch fließender Bach bedeutet. Dieser Siedlungsname weist in jene frühmittelalterliche Zeit, als das Gebiet von Graz - und hier wieder insbesondere der Norden - von Alpenslawen bewohnt wurde. Der heutige Bezirk besteht aus den Ortschaften Ober- und Unterandritz, St. Veit, St. Gotthard und Weinzödl, Neustift und Teilen von Weinitzen.
Andritz, ein altes Siedelland
Bereits zur Zeit der Römer war der heutige Bezirk besiedelt. In Weinzödl lag ein wahrscheinlich zu einem Gutshof gehöriger Friedhof, und die Sage weiß von einer Römerstadt zu berichten, die sich vom Huberwirt bis zur Leber erstreckte. Den Römern fragten die Alpenslawen, an die zahlreiche Orts- und Flurnamen erinnern. Nicht nur der Name Andritz ist slawischen Ursprungs, auch Gabriach, der alte Name von St. Veit, stammt vom slawischen gaber = Weißbuche ab, ebenso weißt Weinitzen auf das slawische Wort vinica, den Weingarten, hin. Allmählich setzte sich die deutsche Kolonisation durch. Erste Herrschaftszentren entstanden, so die 1197 erstmals erwähnte Burg Stadeck oder die heute völlig verschwundene Feste Andritz. Die Orte Ober- und Unterandritz bildeten sich aus, und die Kirche St. Veit stellte gemeinsam mit dem obersteirischen Stift St. Lambrecht gehörenden St. Gotthard bereits im Mittelalter ein kulturelles Zentrum im Norden von Graz dar. Schon im 13. Jahrhundert ist der Weinbau in Andritz und Umgebung urkundlich erwähnt. An ihn erinnert noch der Ortsname Weinzödl, der von "Weinzierl", den hier wohnhaften Weingartenarbeitern herrührt.
Wilde Tiere und Verbrecher
Noch im ausgehenden Mittelalter hat ein guter Teil des heutigen Bezirkes aus unwirtlichen Urwäldern bestanden, in denen Wölfe lebten. Auch hausten hier Wegelagerer und Verbrecher, gegen die regelrechte Razzien unternommen werden mußten. Lange Zeit war das Gebiet ausschließlich agrarisch strukturiert, von Äckern und Wiesen bedeckt, die Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig.
Frühes gewerbliches Leben
Doch bereits im 14. Jahrhundert lassen sich an den Wasserläufen von Andritz Mühlen nachweisen, Seit dem 16. Jahrhundert finden sich Lederwerkstätten am Andritzer Mühlgang, schließlich eine Kupferschmiede, eine Pulverstampfe, in der Schießpulver hergestellt wurde, weiters ein Münzhammer für die Herstellung von gegossenen Zainen zur Münzprägung sowie ein Walkstampf, in der durch das Walken und Stampfen das Schafwollgewebe verfilzt, verfestigt und entfettet wurde. Einige der Mühlen wurden später Keimzellen bedeutender Fabriksanlagen.
Bewegte Zeiten in Andritz
Ruhig waren die Zeiten nicht im heutigen 12. Grazer Stadtbezirk. Immer wieder kursierten Seuchen in der Gegend, wie die Blattern oder die Pest, an die noch die Kapelle an der zur Pfarrkirche St. Veit hinaufführenden Straße und der Bildstock bei der Straßenbahnendstation erinnern. Selten stehen festliche Ereignisse in den Annalen des Bezirkes, wie etwa der Besuch Kaiser Leopolds I. im Jahr 1660 im Schloß St. Gotthard. Zu diesem Schloß gehören eine im 17. Jahrhundert vom Lambrechter Stiftsbaumeister Domenico Sciassia erbaute Kirche, die 1808 durch einen verantwortungslosen Akt des damaligen Besitzers in die Luft gesprengt wurde, um das Material zum Bau einer Gastwirtschaft und zur Ausbesserung einer Straße zu verwenden
Der Mensch entdeckt die Natur
Durch die Aufklärung beeinflußt, begann der Mensch seit dem späten 18. Jahrhundert die Natur zu entdecken. St. Gotthard und St. Veit wurden beliebte Ausflugsziele, der Andritz-Ursprung immer häufiger von Naturliebhabern aufgesucht, die Platte Ziel sonntäglicher Landpartien, die Kirche St. Ulrich zu Ulrichsbrunn mit der wundertätigen Quelle ein vielbesuchter Wallfahrtsort.
Andritz und die industrielle Revolution
In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts erreichte die von England ausgehende industrielle Revolution Österreich, wandelte auch hier die traditionelle Agrar- und Handwerkswirtschaft in ein ökonomisches System um und veränderte das Erscheinungsbild zahlreicher Orte, darunter auch das von Andritz. Aus der 1790 durch Johann Pirker errichteten Papiermühle erwuchs mit der Zeit die Papierfabrik Andritz. Und 1852 errichtete der aus Ungarn stammende Josef Körösi bei der sogenannten Trummermühle in Unterandritz ein, wie er sagte "großartiges Fabriksetablissement". Die Fabrik Körösi florierte rasch und stellt heute als ANDRITZ AG das starke wirtschaftliche Zentrum des Bezirkes dar. Die Gründung von Industrieanlagen führte zu einem raschen Anwachsen der Bevölkerung, Im Jahre 1900 zählte Andritz bereits über 4.000 Einwohner.
1938 - die Eingemeindung
Bestanden schon seit langem enge Kontakte zwischen der Landeshauptstadt Graz und seinen nördlichen Vororten, so stellten diese doch selbständig funktionierende Umlandgemeinden dar. Erst mit der Schaffung von "Groß-Graz" 1938 wurden die alten Vororte verschluckt und Andritz zum 12. Grazer Stadtbezirk, dessen Bewohner sich allerdings ein traditionsbewußtes Ortsdenken bewahrt haben.
Kommunalen Entwicklung des Bezirkes Andritz - Wichtige Daten
- 1890 Errichtung einer Volksschule
- 1900 Um 1900 wurde in Andritz ein Grundwasserwerk errichtet, welches noch heute 1/3 des Grazer Wasserverbrauches deckt
- 1903 wurde das Straßenbahnteilstück von der Steinbruchmaut nach Andritz fertiggestellt underöffnet
- 1906 der erste Drehstrom vom E-Werk Gösting wird nach Andritz geleitet
- 1912 Eröffnung des Landesbehindertenzentrums
- 1917 Pfarrer Joseph Berghold erbaut die Lourdes Grotte in Ulrichsbrunn, eine Marien-Andachtsstätte
- 1929 Das Stukitzbad wird am 1. Juli eröffnet
- 1938 Andritz wird als 12. Stadtbezirk "Groß-Graz" eingemeindet.
- 1944/45 Fliegerbomben werden auch auf Andritz abgeworfen
- 1960 Die Pfarrkirche zur hl. Familie wird erbaut
- 1963 Bau der evangelischen Filialkirche
- 1977 Eröffnung des neuen Stukitzbades, Bau der neuen Volksschule
- 1993 Die Hallen der ehemaligen Papierfabrik Arland werden abgetragen
- 1995 Baubeginn der Wohnsiedlung auf den Gründen der ehemaligen Papierfabrik Arland
Stadtpfarrkirche St. Veit-Graz
Die Kirche zu St. Veit wurde erstmals in einem Buch aus dem Jahre 1226 erwähnt. 1662 erfolgte der Bau einer neuen Kirche (Renaissancekirche), Baumeister: Domenico Sciassia (auch Basilika von Mariazell). 1680 entstand der Hochaltar (Barock) von Hans Adam Weißenkirchner. 1951 wurde der Kirchturm erneuert (erbaut 1713). Kirchenrenovierungen wurden 1972 außen und 1976 sowie 1999 innen durchgeführt. Seit 1996 ertönen die neuen Glocken.
Pfarre "Zur Heiligen Familie"- Graz Andritz
Im Jahre 1948 wurde die Seelsorgestation in der Landesschiesstätte errichtet. 1959 erfolgt die Grundsteinlegung der neuen Kirche, die 1960 eingeweiht wurde. 1961 Pfarrerhebung. 1979 wurde mit dem Bau eines Pfarrzentrum begonnen und 1980 als Andritzer Begegnungszentrum (ABC) der Bevölkerung übergeben. 1995 feierte die Pfarre Andritz "Zur Heiligen Familie" unter Pfarrer Mag. Walter Drexler ihr 35jähriges Bestehen.


